29
Aug

Diptyque Lautsprecher – magnetostaten Magie

Magnetostaten begeistern in Lautsprechern mit ihrer offenen, transparenten und dynamischen Wiedergabe – doch wegen ihrer Empfindlichkeit werden sie meist allein für den Hochton eingesetzt. Nur wenige Hersteller wagen es, das Flächenstrahler-Prinzip auf den ganzen Schallwandler auszudehnen. Der französische Hersteller Diptyque Audio hat sich genau darauf spezialisiert – und präsentiert mit dem Diptyque DP 140 ein schlank-elegantes, gerade mal vier Zentimeter flaches Schallwandler-Kunstwerk. Gelingt ihm die Magnetostat-Magie bis in den Bass?

Sind Lautsprecher Kunstwerke? In diesem Geist sind zumindest sind die Schallwandler von Diptyque Audio entstanden: Das Projekt startete kurz nach der Jahrtausendwende als Teil einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst rund um die Themen Klang und Fotografie. Der Akustikexperte Gilles Douziech war für den tönenden Part der Veranstaltung zuständig – und er hatte eine Idee: Er wollte einen flachen Lautsprecher präsentieren, um auf ihn die Bilder der Ausstellung zu projizieren. Mit seinem Companion Eric Poix entwickelte er nun einen Lautsprecher, der die geforderte Fläche bot, dabei mechanisch stabil war und zugleich klanglich die hohen Anforderungen der beiden Sound-Ästheten erfüllte – voilà: Das war der Prototyp der isodynamischen Diptyque-Lautsprecher, die in den nun folgenden 17 Jahren immer weiter perfektioniert wurden. Drei Modelle sind aus dieser Vervollkommnungsphase erwachsen, mit dem Diptyque DP 140 haben wir das mittlere Modell im Test – und das gucken wir uns nun näher an.

Paravan der Klänge

So einen grazilen Lautsprecher haben wir schon lange nicht mehr gesehen: Der in Handarbeit gefertigte Diptyque DP 140 erinnert mit seiner rund 140 mal 50 Zentimeter messenden Fläche und einer Gehäusetiefe von gerade mal vier Zentimetern an einen Paravan. Dieser wandschirmartige Sichtschutz ist oft äußerst künstlerisch gestaltet und Ausdruck einer verfeinerten Lebensart. Insofern passt die Assoziation: Der DP 140 repräsentiert eine verfeinerte Klangkultur. Für die Paravan-Anmutung zeichnet das schwarze Mitteltiefon-Paneel des Diptyque DP 140 verantwortlich: Hinter den metallenen Schutzgittern arbeitet ein Magnetostat-System mit einer Fläche von etwa 0,2 Quadratmetern.

Ein Hauch von Membran

Beim Magnetostaten schwingt eine dünne Membran aus Kunststoff, in die Leiterbahnen eingelassen sind. Bei Diptyche wird dafür Aluminium auf Mylar aufgetragen, die gesamte Membran-Dicke – man sollte eher von Dünne sprechen – beträgt gerade mal 12 Mikrometer. Das hauchzarte Gebilde wiegt dementsprechend nahezu nichts. Durch diese ziemliche Masselosigkeit vermag die Membran extrem schnell zu schwingen. Deshalb können solche Flächenstrahler ungemein dynamisch und impulstreu schallwandeln. Zudem bewegt sich die Membran idealerweise über ihre ganze Fläche hinweg gleichmäßig, daher auch der Name isodynamischer Lautsprecher. Diese Flottheit und Akkuratesse resultiert in einer überaus leichten, offenen, transparenten und räumlichen Wiedergabe. Andererseits sind derartige Membranen sehr fragil und deshalb mechanisch nicht besonders belastbar. Deshalb kommen sie eigentlich nur als Hochtöner zum Einsatz. Diptyche setzt den Magnetotstaten aber für den ganzen Frequenzbereich ein.